Die meisten neuen Smartphones werden mittlerweile mit NFC-Chips ausgestattet. Manche Hersteller setzen dabei auf Akkus mit implementiertem NFC-Chip, wieder andere verbauen die Chips gleich fest. Weiterhin gibt es wohl bald die Möglichkeit, microSD- und SIM-Karten mit NFC-Modul zu erwerben, um Telefone ohne diesen Chip auch mit NFC ausrüsten zu können.
Mit NFC lassen sich zweifelsfrei tolle Dinge anstellen - So setzen derweil mehr und mehr Kreditkarteninstitute auf NFC um die Bargeldfreie Kleinstbetragszahlung noch einfacher zu gestalten. Karte - oder wie ich, manchmal nur die Geldbörse - auf das Bezahlterminal tippen, worauf die Zahlung (bis etwa 30 Euro) ohne Unterschrift ausgelöst wird. Leider geht dies derweil erst in wenigen FastFood-Restaurants, doch wird sich mehr und mehr zeigen.
Grundsätzlich lassen sich NFC-Chips von dieser Art, mit QR-Codes oder BeeTags vergleichen, wobei das nervige zielen und fotografieren fällt weg, dazu bietet ein NFC-Chip mehr Speicher. Darüber hinaus ist das Sicherheitsrisiko bei NFC-Tags ungleich kleiner. Man stelle sich vor, dass jemand mit einem einfachen Foto unserer Kreditkarte auf unsere Kosten einkaufen kann. Nein, sowas geht mit NFC aufgrund der möglichen Verschlüsselung nicht. Zumindest nicht so einfach.
Nun, aber was ist ein NFC-Chip... oder auch ein NFC-Tag, wie gern genannt werden? Es sind passive Einheiten, welche ohne eigene Stromversorgung auskommen, im Frequenzbereich von 13,56MHz arbeiten und einen gewissen Speicher besitzen. Aktiviert werden sie durch das HF-Feld des Aktiven Gerätes - in den meisten für uns interessanten Fällen also ein NFC-Fähiges Mobiltelefon. Diese werden immer Zahlreicher - die derzeit berühmtesten sind bestimmt das Samsung Nexus S, das Galaxy Nexus, das Nokia N9 und die neueren Symbian-Nokias. Bald wird es wohl mehr und mehr Geräte mit NFC geben - auch RIM hat mit ihren Blackberrys ein paar NFC-Geräte in petto, während die Gerüchteküche auch beim iPhone in diese Richtung brodelt.
Jedes Aktive-NFC-Gerät beherrscht auch einen Passiven Modus, in dem es selbst einen Tag simuliert - dies wird für die Gegenseitige Kontaktaufnahme benötigt und spielt sich in den untersten Softwareschichten ab. Für uns ist vorerst wichtig, dass es Aktive Geräte und Passive Tags gibt.
Ein NFC-Fähiges Mobiltelefon ist gut und recht - doch was will man ohne Tags? Diese erhält man über zahlreiche Wege. Ich habe meine über einen Distributor in Österreich bezogen, wobei man auch über ebay dazu kommt. Einfach Googlen.
Die Möglichkeiten, die uns die Tags bieten, sehen auf den ersten Blick eher beschränkt aus. Mit den Apps, welche für das Nokia N9 verfügbar sind, lassen sich Textnotizen, URLs, Bluetooth-Audio-Pairing und Visitenkarten schreiben. So habe ich nun einen Schlüsselanhänger welcher einem NFC-Fähigen Gerät meine Kontaktdaten verrät. Textnachrichten erscheinen mir bisher recht Sinnlos - vielleicht finde ich dann aber noch etwas dafür. URLs werden schon interessanter - darüber könnte man einem Heimserver ein Kommando schicken, mitdem er beispielsweise die Heizung runterfährt oder die Lichter löscht, wenn man sich über den Tag bei der Haustüre beim eigenen Haus "Ausloggt". Beim "einloggen" gehen die Lichter natürlich wieder an, wobei die Heizung wieder angeworfen wird.
Zugegeben, obwohl Nokia in der Technik federführend war, haben nun die Androiden wohl mehr Möglichkeiten - allein die Möglichkeit, Tasks mit NFC-Tags zu starten, sodass das Gerät beispielsweise die WiFi-Verbindung startet, das fehlt mir noch. Wer weiss, vielleicht entwickelt das ein findiger Entwickler auch noch.
Ich habe weiter oben, die NFC-Kreditkarte angesprochen. Mit der Möglichkeit, dass ein Smartphone exakt einen solchen Tag simulieren könnte, liesse sich auch das Mobile Payment über diesen Weg lösen. In Japan werden bereits Bahntickets mit NFC Gelöst, wobei dort die Abrechnung über Schranken funktioniert - sowohl PrePay, wie auch über ein Handy (zumindest wenn ich die Werbung richtig verstanden habe).
Japan ist allerdings auch schon mit QR-Codes weiter als wir - dort gibt es Läden, bei denen jeder Artikel mit einem Code versehen ist, den man scannen kann um weitere Infos zu bekommen. Dafür sind NFC-Tags noch zu teuer, doch ist wünschenswert, wenn dies auch in Europa kommen würde. Von mir aus könnte man die QR-Codes gleich auslassen und direkt zu NFC übergehen.
Es gibt die NFC-Tags in vielerlei Formaten - zum einen als Diskus, wie meine weissen Knubbel auf dem Foto, als Schlüsselanhänger, dann gibt es diese im Kreditkartenformat, im Visitenkartenformat, als Hauchdünnen aufkleber und und und. Dies gibt der Fantasie freien Lauf. Da die Tags mehrmals beschreibbar (bzw. überschreibbar) sind, fällt auch spasseshalberes Herumexperimentieren nicht zu sehr ins Geld.
Zeitabrechnung in einer Firma, Bahntickets, Bezahldienste für Kleinbeträge, Abonnemente für Parkhäuser, Kundenkarten von diversen Läden sowie Visitenkarten - Bei Konsequenter Umsetzung lässt die NFC-Technologie die Geldbörse dünner werden... oder ganz verschwinden. Dies wird bestimmt nicht ohne Sicherheitsprobleme über die Bühne gehen, doch frage ich mich, warum man dem nicht doch eine Chance geben soll. Auch fernab des Geldes, eröffnen sich über NFC viele Möglichkeiten, welche keine grossartigen Sicherheitsrisiken bergen.
Was denkt ihr, wird sich NFC durchsetzen oder ebenfalls so Stiefmütterlich behandelt werden, wie schon die QR-Codes?
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