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Internet radio träumte ich nach längerer Zeit einmal wieder von meiner guten alten Radiozeit.
Es war in den 1950er Jahren, als ein großes Röhrenradio das kulturelle Zentrum unseres Wohnzimmers war. Es war ein HiTech-Produkt der damaligen Zeit, das meine Eltern kurz nach meiner Geburt kauften, in Einzelteile zerlegten und erfolgreich über die Grenze nach Ostberlin schmuggelten. Vorher stand an seiner Stelle noch eine alte hässliche
Goebbelsschnauze, die ich aber nur noch von Bildern her kenne. Ein Fernsehgerät gab es damals noch nicht im Hause meiner Eltern.
Immer zu ganz bestimmten Zeiten kamen dann alle Familienmitglieder zusammen, um den Radioklängen zu lauschen, meine Eltern, meine Großeltern und auch ich. Diese Klänge waren meistens ein bunter Reigen, bestehend aus volkstümlicher Musik, deutschen Schlagern, südamerikanischen Rhythmen, Jazz, American Blues und Rock'n Roll.
Die Erwachsenen lagen meistens irgendwo auf Couch oder Teppich herum oder hatten zumindest die Beine hochgelegt. Ich saß direkt vor dem Rundfunkgerät und starrte gebannt auf Knöpfe, Tasten und beleuchtete Frequenzskala.
Auch Hörfunksendungen gab es schon wie z.B. die Kriminalreihe "
Es geschah in Berlin" oder die Kindersendung "
Onkel Tobias", die immer sonntags um 10 Uhr ausgestrahlt wurde.
Vom Radio-Gottesdienst, dem wöchentlichen Highlight meiner Großeltern, wurde ich schließlich befreit, da ich mich dabei immer sichtbar gequält fast zu Tode langweilte und des Pfarrers predigende Worte damals ohnehin noch nicht verstehen konnte.
Mein musikalischer Höhepunkt waren die Rock'n Roll-Lieder von Elvis Presley, die leider viel zu selten gespielt wurden. Sogar Oma und Opa rockten dann immer durchs Zimmer. Dann verlegte ich manchmal auch - gegen den obligatorischen Protest meiner Mutter - ein langes Kabel, um Radio und Tonbandgerät miteinander zu verbinden, damit ich diese Lieder für mich konservieren konnte. Dieses zusammengestückelte Kabel musste deshalb so lang sein, weil sich das Tonbandgerät zweckmäßigerweise genau in der anderen Ecke des Zimmers befand und auch viel zu monströs war, um nur durch einen ausgewachsenen Mann im Zimmer verrückt werden zu können. Nur viel zu schnell war ein Band immer voll, das damals noch mit 19er Geschwindigkeit lief. Anhören durfte ich meine Tonbandaufzeichnungen aber nur dann, wenn das Radio nicht lief, was aber in der Praxis so gut wie nie vorkam.
Viele Sender zum Aufnehmen gab es damals nicht. Abgesehen vom ostdeutschen Rundfunk waren es eigentlich nur drei Sender, die auch in UKW (aber noch nicht in Stereo) ausstrahlten:
RIAS,
SFB und
AFN Berlin.
Dieses alte Radiogerät tat seinen Dienst noch bis Ende der 1980er Jahre, nicht mehr im Wohnzimmer, sondern in der Garage meines Vaters.
Fernsehen kannte ich in den 1950er Jahren auch schon. Aber nur dann, wenn Klein-Tumleh artig war, durfte er etwa einmal im Monat zum Fernsehen zu den netten Leuten gehen, die gegenüber einen kleinen Tante-Emma-Laden hatten. Farbfernsehen gab es noch nicht, und die Bildröhre (heute: Bildschirm) war furchtbar klein. Meistens flimmerte das Bild bei den Kindersendungen "
Meister Nadelöhr" und "
Professor Flimmrich". Auch das Sandmännchen gab es ab 1959 bereits, doch zu dieser Sendezeit wollten die netten Kaufmannsleute immer etwas Spannenderes sehen.
Später dann, wir hatten ab 1962 endlich auch ein Fernsehgerät, erhielt ich dann mein erstes richtiges Kofferradio. Das war das schönste Weihnachtsgeschenk 1962. Nun brauchte ich für Tonbandaufnahmen auch nur noch ein kurzes Kabel. Ein Jahr darauf hatte ich dann auch ein eigenes Tonbandgerät, das ich auch allein in meinem Zimmer transportieren konnte - ein BG26.
Ach ja, die gute alte Radiozeit! Es war eine sehr schöne Zeit, immer aufregend und spannend.
Auch wenn ihr noch nicht so viele Jahre auf dem Buckel habt wie ich - habt ihr vielleicht auch noch Erinnerungen an diese Zeit? Vielleicht ja vom Hörensagen?