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Meine gute alte Radiozeit
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THEMA: Meine gute alte Radiozeit

Meine gute alte Radiozeit 31 Aug 2012 06:10 #1

  • Tumleh
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Angeregt durch die Android-App Internet radio träumte ich nach längerer Zeit einmal wieder von meiner guten alten Radiozeit.



Es war in den 1950er Jahren, als ein großes Röhrenradio das kulturelle Zentrum unseres Wohnzimmers war. Es war ein HiTech-Produkt der damaligen Zeit, das meine Eltern kurz nach meiner Geburt kauften, in Einzelteile zerlegten und erfolgreich über die Grenze nach Ostberlin schmuggelten. Vorher stand an seiner Stelle noch eine alte hässliche Goebbelsschnauze, die ich aber nur noch von Bildern her kenne. Ein Fernsehgerät gab es damals noch nicht im Hause meiner Eltern.

Immer zu ganz bestimmten Zeiten kamen dann alle Familienmitglieder zusammen, um den Radioklängen zu lauschen, meine Eltern, meine Großeltern und auch ich. Diese Klänge waren meistens ein bunter Reigen, bestehend aus volkstümlicher Musik, deutschen Schlagern, südamerikanischen Rhythmen, Jazz, American Blues und Rock'n Roll.
Die Erwachsenen lagen meistens irgendwo auf Couch oder Teppich herum oder hatten zumindest die Beine hochgelegt. Ich saß direkt vor dem Rundfunkgerät und starrte gebannt auf Knöpfe, Tasten und beleuchtete Frequenzskala.

Auch Hörfunksendungen gab es schon wie z.B. die Kriminalreihe "Es geschah in Berlin" oder die Kindersendung "Onkel Tobias", die immer sonntags um 10 Uhr ausgestrahlt wurde.

Vom Radio-Gottesdienst, dem wöchentlichen Highlight meiner Großeltern, wurde ich schließlich befreit, da ich mich dabei immer sichtbar gequält fast zu Tode langweilte und des Pfarrers predigende Worte damals ohnehin noch nicht verstehen konnte.

Mein musikalischer Höhepunkt waren die Rock'n Roll-Lieder von Elvis Presley, die leider viel zu selten gespielt wurden. Sogar Oma und Opa rockten dann immer durchs Zimmer. Dann verlegte ich manchmal auch - gegen den obligatorischen Protest meiner Mutter - ein langes Kabel, um Radio und Tonbandgerät miteinander zu verbinden, damit ich diese Lieder für mich konservieren konnte. Dieses zusammengestückelte Kabel musste deshalb so lang sein, weil sich das Tonbandgerät zweckmäßigerweise genau in der anderen Ecke des Zimmers befand und auch viel zu monströs war, um nur durch einen ausgewachsenen Mann im Zimmer verrückt werden zu können. Nur viel zu schnell war ein Band immer voll, das damals noch mit 19er Geschwindigkeit lief. Anhören durfte ich meine Tonbandaufzeichnungen aber nur dann, wenn das Radio nicht lief, was aber in der Praxis so gut wie nie vorkam.

Viele Sender zum Aufnehmen gab es damals nicht. Abgesehen vom ostdeutschen Rundfunk waren es eigentlich nur drei Sender, die auch in UKW (aber noch nicht in Stereo) ausstrahlten: RIAS, SFB und AFN Berlin.

Dieses alte Radiogerät tat seinen Dienst noch bis Ende der 1980er Jahre, nicht mehr im Wohnzimmer, sondern in der Garage meines Vaters.

Fernsehen kannte ich in den 1950er Jahren auch schon. Aber nur dann, wenn Klein-Tumleh artig war, durfte er etwa einmal im Monat zum Fernsehen zu den netten Leuten gehen, die gegenüber einen kleinen Tante-Emma-Laden hatten. Farbfernsehen gab es noch nicht, und die Bildröhre (heute: Bildschirm) war furchtbar klein. Meistens flimmerte das Bild bei den Kindersendungen "Meister Nadelöhr" und "Professor Flimmrich". Auch das Sandmännchen gab es ab 1959 bereits, doch zu dieser Sendezeit wollten die netten Kaufmannsleute immer etwas Spannenderes sehen.

Später dann, wir hatten ab 1962 endlich auch ein Fernsehgerät, erhielt ich dann mein erstes richtiges Kofferradio. Das war das schönste Weihnachtsgeschenk 1962. Nun brauchte ich für Tonbandaufnahmen auch nur noch ein kurzes Kabel. Ein Jahr darauf hatte ich dann auch ein eigenes Tonbandgerät, das ich auch allein in meinem Zimmer transportieren konnte - ein BG26.

Ach ja, die gute alte Radiozeit! Es war eine sehr schöne Zeit, immer aufregend und spannend.

Auch wenn ihr noch nicht so viele Jahre auf dem Buckel habt wie ich - habt ihr vielleicht auch noch Erinnerungen an diese Zeit? Vielleicht ja vom Hörensagen?



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Letzte Änderung: 31 Aug 2012 08:14 von Tumleh.
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Aw: Meine gute alte Radiozeit 31 Aug 2012 15:45 #2

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Tumleh, Danke für den schönen Einblick in deine Kindheit

Ich bin 1982 geboren und bekam von meinem Opa 1990 mit 8 1/2 einen Weltempfänger geschenkt. Da bei uns nicht weit ein kleiner Berg ist, bin ich da als immer mit dem Fahrrad hochgeradelt und habe gehorcht was in der Welt alles so gesendet wird - verstanden habe ich aber nichts . Es war ein Sony ICF nochwas?. Ein paar Jahre später bekam ich dann den ICF 7600DA gebraucht geschenkt und mit dem war es noch viel spannender als vorher, da bessere Abstimmung, etc... Mich hatte das eine zeitlang fasziniert (eigentleich heute immer noch), ich besitze auch mehrere Weltempfänger, u.a. von Sony und Panasonic. Aber heute senden ja nicht mehr viele Stationen in Europa auf SW/MW/LW. Ich erinnere mich an den Finnlandurlaub 1997 bei dem ich mit dem Weltempfänger am See saß und auf 6030 (glaube ich mich richtig zu erinnern) SWR3 hören konnte. Das war ein Erlebniss. Dieses Jahr im Urlaub konnte in den Masuren mit meinem ICF7600DA auf 864khz MW France Bleu hören der in Paris ausgestrahlt wurde. Schuld daran war aber die günstige Wetterlage abends, an anderen Tagen blieb die Frequenz nämlich leider stumm.

Ich finde es schade das immer mehr dieser Frequenzen nicht mehr genutzt werden und die Sendeanlagen alle abgerissen werden. Ich hatte mal beim SWR nachgefragt kurz nachdem die KW Frequenz von SWR3 stillgelegt wurde waum dies so sei. Die Begründung war, das heutzutage jeder mobiles Internet hat, bzw. Internetanschlüsse mittlerweile so verbreitet sind das man das Programm jederzeit in besserer Qulität hören kann (das war 2003, da war das mobile Internet noch in den Kinderschuhen und nichts mit 128 kb/s möglich) Selbst heute gibts noch Regionen in Osteuropa und Skandinavien die nicht mal mit GSM versorgt sind, weil es einfach nicht möglich ist. Irgendwann bleiben unsere Weltempfänger einfach stumm, weil auch irgendwann die analogen UKW Sender abgeschaltet werden
Letzte Änderung: 31 Aug 2012 15:46 von linuxuser.
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Aw: Meine gute alte Radiozeit 31 Aug 2012 18:21 #3

  • Tumleh
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Richtig aufregend war es für mich auch, als 1964 eine Klassenfahrt anstand. Damals war ich 13. In der Klasse hatten manche einen kleinen Transistorenempfänger, meistens mit nur zwei Transistoren. Da kamen auch in Berlin nur so drei oder vier Sender auf Mittelwelle rein. Kurz vor der Fahrt bekam ich aus dem Westen einen sehr formschönen Empfänger mit sechs Transistoren. War das eine Freude! Auch bloß Mittelwelle, aber viele Sender. So hatte ich in der Jugendherberge, irgendwo in Mecklenburg, immer tolle Musik. Da war ich sehr stolz und glücklich. Ich hütete dieses kleine Taschenradio sehr und nahm es nachts immer unter meine Decke. Es begleitete mich mehrere Jahre. Die 9-Volt-Batterien hielten auch ziemlich lange.

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Letzte Änderung: 31 Aug 2012 18:21 von Tumleh.

Aw: Meine gute alte Radiozeit 31 Aug 2012 21:46 #4

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Toll fand ich ja auch Anfang der 1960er Jahre diese Rakete, ein enfaches Detektorenradio.

Oben an der Spitze konnte man einen antennenähnlichen Stab herausziehen, mit dem Sender gesucht und eingestellt werden konnten. Dann gab es noch zwei daran befestigte Kabeldrähte, einmal mit einer Klemme (z.B. an der Zentralheizung) und einmal mit einer Ohrmuschel.
Mittelwelle mit etwa drei bis fünf hörbaren Sendern.
Keine Stromzufuhr, weder Netzanschluss noch Batterie.

Siehe auch Link A und Link B
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Letzte Änderung: 31 Aug 2012 22:25 von Tumleh.
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